Der Weg ins Burnout

Mein Klient - Mitte 40 - klagt über Bluthochdruck, Überbelastung und erzählt, dass er reizbar und unleidlich ist. Ich ersuche ihn darauf, ein Bild über seinen Zustand zu zeichnen. Was dabei herauskam ist sowohl phantastisch in der Aussagekraft als auch tragisch in der weiteren Entwicklung.

Originalzeichnung

Da ich das Originalbild nicht mehr habe, habe ich die Farben des Fotos verbessert, um die Details besser sichtbar u machen.

Ich frage ihn, was er gezeichnet hat: Ein "überlaufendes Fass".

Das ist aber nun höchst faszinierend. Ein Fass, in dem offensichtlich lauter Packerl in sich hat und deswegen gar nicht überlaufen kann!

Ich frage ihn, was denn die Packerl bedeuten sollen: "Es sind meine Aufgaben - egal ob Negative oder Positive! Sie sind grün, solange es mir gut geht und werden dann gelb, wenn es mir langsam zu viel wird. Wenn ich dann schon nicht mehr kann, dann werden die Packerl rot. Dann ist es mir egal, wer mir die letzte Aufgabe gibt, dass kann jemand aus der Arbeit oder auch meine Mutter sein! Dann explodiere ich!"

Ich frage ihn, warum er die grünen Packerl über den Rand hinaus gezeichnet hat: "Die grünen Packerl sind deswegen über dem Rand, weil ich immer 130% Leistung bringen muss! Das ist für mich selbstverständlich!"

Ich lasse ihn seine ICH-Position im Bild aufstellen. Er stellt die grüne Figur auf ein rotes Paket.

Fassen wir zusammen:

  • es ist normal, immer 130% Leistung zu bringen
  • Bluthochdruck
  • jeder kann das "Fass" zum Überlaufen bringen

Ich sage ihm, wenn er so weiter tut, wird er noch in ein Burnout schlittern!

... und er tut so weiter!  Weinend

7 Monate später ...

Nun ist es tatsächlich passiert. Er wird mit Herzbeschwerden nach einem Zusammenbruch ins Spital eingeliefert. Diagnose: Burnout.

Wie er sich fühlt, zeichnet er in der ersten Sitzung nach dem Spital: Schockierend! Aber er wählt für seine Zeichnung trotzdem den grünen Farbstift!

... und das Schockierendste daran: ER LACHT IMMER NOCH!!!

Meine Anmerkungen

Sie werden sich vielleicht fragen, wenn das schon so offensichtlich war, warum ich nichts dagegen getan habe?

Ja, das habe ich mich auch sehr oft gefragt!

  • Hätte ich was anderes tun können?
  • Habe ich irgendwelche Dinge übersehen?
  • Habe ich zu wenig auf die ernsten Konsequenzen hingewiesen?

Ich arbeite mit meinem Klienten schon seit Mitte 2011 - manchmal machen wir mehr Sitzungen, manchmal weniger. Wir haben ein sehr gutes und offenes Verhältnis zueinander. Ich nehme mir kein Blatt vor den Mund, wenn ich ihm etwas sagen "muss" ... und ich habe ihn schon oft gefragt, ob er überhaupt noch weiter machen will und überhaupt etwas profitieren kann.
Er hat diese Ausstiegsszenarien jedes Mal vehement von sich gewiesen und gesagt, dass ihm die Sitzungen viel gebracht haben.

Das spiegelt das Prinzip der Kinesiologie wider:

  • Jeder ist für sich selbst verantwortlich
  • Jeder nimmt sich die Zeit, die er braucht, um etwas zu lösen (und wenn es nie ist)
  • Die Prioritäten bestimmt der Mensch selbst - auch wenn es von außen ganz anders ausschaut

Harald

Ein zufriedener Klient

Ich habe meinem Klienten natürlich gesagt, dass ich gerne seine MFT-Bilder veröffentlichen möchte - als "schlechtes Beispiel". Er hat's erlaubt, war aber dann trotzdem entsetzt, wie er sie gesehen hat. Er konnte sich an das Bild nach seinem Zusammenbruch nicht mehr erinnern.

Trotzdem hat er mir ein Feedback geschrieben (wofür ich sehr dankbar bin, weil er natürlich - wen wundert's - wenig Zeit hat) und erlaubt, dass ich vermerke, dass die MFT-Bilder und das Feedback zusammen gehören.

Es bestätigt, was ich in meinen Anmerkungen geschrieben habe. Menschen sehen scheinbar gleiche Dinge oftmals völlig anders. Lesen Sie selbst unter Ein zufriedener Klient nach.

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